Gaming als Methode – ein Gastbeitrag von Nils

Neulich bekam ich die Gelegenheit mit Marcel und Sandro von minetest4kids zu sprechen. Das Interview habe ich im Rahmen einer Präsentation für mein Studium der Sozialen Arbeit geführt. Dabei konnte ich eine ganz besondere Atmosphäre erleben, in der alle meine Fragen mit viel Aufgeschlossenheit ausführlich beantwortet wurden. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal recht herzlich bei euch dafür bedanken!

Die beiden haben sich vor rund 3 Jahren zusammengefunden und bieten seitdem Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit gemeinsam mit ihnen Minetest zu spielen. Für alle, die zwar den Weg hierher gefunden haben, es dennoch nicht wissen sollten: Minetest ist ein Spiel, bei dem eine virtuelle Welt nach Belieben gestaltet werden kann. Das kann entweder in regelmäßiger Form wie jeden Montag im ‚AZ Conni‘ oder mittels mehrtägiger Workshops stattfinden. Für letztere werden die beiden zum Beispiel von Schulen oder Trägern der Kinder und Jugendhilfe beauftragt. Sie unterstützen dabei Projekte in eigener Initiative, wie z.B. das ‚Jugendhaus Eule‘ oder Dresdner Streetworker*innen und kooperieren mit anderen Akteur*innen, wie z.B. dem Medienkulturzentrum oder dem ‚Netzwerk Medienbildung Dresden‘ und tragen damit zur Entwicklung eines medienpädagogischen Netzwerkes bei. Seit kurzen führt das Projekt auf minetest4kids.net auch einen eigenen Blog.

Wie sich so ein Spiel letztlich entwickelt, hängt dabei mitunter von den Vorstellungen der Auftraggeber*innen und den Kenntnissen der Spieler*innen ab. Grundsätzlich benötigt es kein technisches Vorwissen um mitzuspielen. Das offene Spiel steht bei Marcel und Sandro stets im Vordergrund. Die Kinder und Jugendlichen sollen dabei ohne Kontrolle und Steuerung nach ihren je eigenen Vorstellungen spielen und lernen können. Wichtig ist aber vor allem das gemeinschaftlich gespielt wird. Allen Spieler*innen steht dabei ein und derselbe virtuelle Raum zur Verfügung, der zusammen gestaltet wird.

Als leidenschaftliche Gamer haben es sich die beiden zur Aufgabe gemacht ihr Hobby auch anderen zugänglich zu machen. Die wechselseitige Interaktion, die sich durch das gemeinsame Spiel im virtuellen Raum ergibt, bietet dabei reichhaltige Möglichkeiten um gruppendynamische Prozesse in den Blick zu nehmen und um eine wertschätzende Kommunikation zu fördern. Ein grundlegendes konzeptionelles Element des Projekts ist das Spielen aller Beteiligten am gleichen real existierenden Ort. Durch die physische Anwesenheit anderer Gamer*innen können Reaktionen und Emotionen direkt wahrgenommen werden. Die kommunikative Ebene wird hier vom Spiel hin zur unmittelbaren körperlichen Begegnung erweitert und die ansonsten vorhandene Anonymität der virtuellen Welt dabei aufgelöst. Es ist den beiden eine Herzensangelegenheit ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es sich auch beim virtuellen Raum um einen Sozialraum wie jeden anderen handelt. Auch hier erzeugen Handlungen entsprechende Wirkungen. Die Nutzer*innen von virtuellen Räumen dafür zu sensibilisieren, ist ein weiterer Grundsatz, der bei minetest4kids verfolgt wird.

Neben dem Spaß am Spielen und der Begegnung von Kindern und Jugendlichen untereinander kann das Spielen von Minetest in vielfältiger Weise auf die Beteiligten wirken. Das Erlernen von sozialen Fähigkeiten und Gemeinschaftssinn durch die soziale Interaktion ist dabei ein Hauptaugenmerk, dass anvisiert wird. Daneben können künstlerische und kreative Aspekte gefördert werden. Weiter wird sich über kurz oder lang wohl auch ein technisches Verständnis sowie Kenntnisse der Programmierung bei den Gamer*innen entwickeln. Unter anderem wird auch zum Englisch lernen angeregt, da das Spiel in dieser Sprache aufgebaut ist.

Im Rahmen des Projektes ‘Das Blaue Band’, welches von der Stadt Dresden als großangelegte Renaturalisierungsmaßnahme des Gebietes rund um den Geberbach ins Leben gerufen wurde, haben Marcel und Sandro mehrere Workshops angeboten. Dabei sollten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit bekommen Beteiligung zu erfahren, indem sie ihre Vorstellung zur Umgestaltung des Gebietes virtuell erstellen und mit einbringen konnten. Die hier entwickelten Entwürfe wurden über die Kinder- und Jugendbeauftragte an das Umweltamt und das Straßen- und Tiefbauamt sowie an die Bürgermeister*innenrunde der Stadt Dresden weitergeleitet. Eine solche Form der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an stadtplanerischen Vorhaben findet erst seit kürzerer Zeit Anwendung und kann sich in Zukunft hoffentlich noch weiter etablieren.

Nils (Student der Sozialen Arbeit an der EHS Dresden)

… Minetest-Workshop in einer Schule im Rahmen des ‘Blauen Bandes’ …
… Minetest im Grünen … einfach phantastisch 🙂 …
… oder dann doch wieder im Unterricht … es ist ja kalt draußen :O …